Die "Neue Ordnung"

 

Die "Neue (Berliner) Ordnung" ist ein aleatorisches Klangkunstexperiment ausgehend von dem Musiker / Klangkünstler "Jan Schöwer" und dem Musiker / Programmierer und Klangkünstler "Christof Schnelle".

Die qualitative Leistung des Komponisten ist die nichtlineare, antizipative, voraus- denkende, kompositorische Gestaltung von Klang-Teilstücken, die beim Abspielen der fertigen Komposition, aleatorisch (vom Zufall abhängig), parallel, mehrspurig gegeneinander abgespielt werden können.
Durch eine eigens zu diesem Zweck entwickelte Software, stehen dem Komponisten musikalische Stilmittel wie die Bildung eines Satzgefüges "Container" oder eines "Snap Rasters" zur Verfügung. Anhand dieses statischen Rasters entlang der Zeitachse des Sequencers / Trackers richten sich jeweils zufällig die Start-Punkte der einzelnen Klangfragmente ("Parts") innerhalb der Container aus.
Die Maschigkeit dieses Rasters obliegt gänzlich frei dem Komponisten. Sie ist wähl- und einstellbar.
Innerhalb der "Container" vollziehen sich auf mehreren Klangspuren die zufälligen "Randomatisierungen" (aleatorischen Neuordnungen) einzelner Klangfragmente. Die zeitliche Größendimension eines Containers und die Anzahl der der Komposition zu- grundeliegenden Container ist frei wählbar und ebenso optional wie die Verwendung des Snap Rasters. So ist es möglich, je nach Bedarf beispielsweise viele kleine kurze Container hintereinander zu positionieren (ähnlich wie Wörter innerhalb eines gesprochenen Satzes), und somit einen längeren Spannungsbogen zu erzeugen, oder gar gänzlich auf die Verwendung mehrerer Container, als auf einen "Root Container", zu verzichten.

 

 

Screencapture von "Renoise" ("Randomat" Plugin)

Für die musikalische Umsetzung der Installation „Rebellen sind Idioten“, unter der Regie von Leo Skverer, arbeiteten Jan Schöwer und Christof Schnelle zusammen mit dem in Berlin lebenden, US - amerikanischen Weltmusiker und Ausnahmegeiger "Roland Satterwhite". Alle Musik- und Sprachfragmente wurden speziell für diese Installation „Rebellen sind Idioten“ produziert und aufgenommen. Das Projekt ist ein Beitrag zum Osterfestival der Kunsthochschulen 2013, am Maxim Gorki Theaters Berlin.

 
 

 

Ein gutes Beispiel zur vereinfachten Erklärung des Konzeptes ist das "Legokasten - Prinzip":
Der Komponist hat im Grunde 4 verschieden große Legokästen (Container). Sie unterscheiden sich lediglich in der Breite, sind also gleich hoch, gleich tief, aber ungleich breit. Außerdem verfügen sie über eine Besonderheit: Innerhalb der Kästen befinden sich je 3 gleich tiefe Teilungen längst der Breite zur genaueren Sortierung der Steine innerhalb eines Kastens. Da jeder Kasten sich nur in der Breite unterscheidet, sind die Räume aller neu entstandenen Unterteilungen "Spuren" aller Kästen auch gleich tief und gleich hoch.
In den beispielsweise mittelgroßen Kasten ("Container"), könnten beispielsweise nur rote große Steine in das erste Fach gelegt werden, in das zweite dann nur blaue große Steine und in das dritte Fach nur gelbe kleine Steine.

Nun wird ein sehr großer Kasten hinter den ersten gestellt, mit grünen großen Steinen in Fach eins, schwarzen Steinen in Fach zwei und platten weißen Steinen in Fach drei.
Die nächsten zwei Kästen, die folgen, sind sehr klein und der Komponist „sortiert“ Steine in die Fächer nach Bedarf, ähnlich wie in Kasten 1 und 2. Nach diesem Prinzip entsteht eine gesamte Komposition.
 
 
 

 

Jan Schöwer ist Absolvent der Musikhochschule Tilburg (Hogeschool voor de Kunsten, NL – Gitarre, Gesang, Komposition).
Neben Arrangements / Komposition im Bereich Theatermusik ist er beschäftigt als Gitarrist in diversen Besetzungen sowie als Solokünstler mit Live-Auftritten in Konzerten und TV.
Ian Annesson alias Jan Schöwer
 
Christof Schnelle absolvierte das Studium der Komposition elektronischer Musik an der Folkwang Universität der Künste in Essen.
Seine Arbeitsschwerpunkte sind Komposition und Visualisierung sowie die Programmierung vernetzter live-elektronischer Mediensysteme. Christof Schnelle arbeitet am Schauspielhaus Bochum.

Christof Schnelle an der Volksbühne Berlin

 
 

 

 

 

 
Aktuelle Arbeiten und Aufführungen
 
P/ARTikel in Kooperation mit dem Reeperbahnfestival Hamburg

Zwischen dem 1. Januar und dem 1. Februar 2014 stellen Jan Schöwer und Christof Schnelle in Hamburg, anlässlich der P/ARTikel in Kooperation mit dem Reeperbahnfestival Hamburg einige Klangexponate aus. Zielformat ist ein 6.1 Surround - Klangsystem in einem 15 m2 grossen Raum. Hier zu hören ist zur Illustration dieser Arbeit  je eine Aufnahme eines aleatorischen Durchlaufes von 2 unterschiedlichen Klangwerken, in Stereo abgemischt.

 
 
 
"Weinglas und Gitarre / Imagine"
Gläser / Gitarre: Jan Schöwer
Bass / Voiceover: Michael Tuttle

Ein Arrangement aus vielen dutzend analog aufgenommen Einzelklängen aus mit Wasser gefüllten Weingläsern, mit einem Bleistift angeschlagen.
Die Tonhöhe eines Glases ergibt sich über den Füllstand.
Einige Klänge werden dabei rückwärts abgespielt. Alle Klänge werden nach gängigem aleatorischen Verfahren abgespielt.
Weitere Klang erzeugende Mittel sind ein Becken, ein Kontrabass und eine Gitarre.

   
 
 
 
 
 
 
"Körper und Bass"
Kontrabass: Michael Tuttle
Percussion: Jan Schöwer

Die Arbeit "Körper und Bass" besteht im Kern aus 2 Tonspuren:
Die erste Spur besteht aus Klangfragmenten eines Kontrabasses, eingespielt durch den Kontrabassisten "Michael Tuttle". 
Die Bassfragmente werden in aleatorischer Anordnung nach dem Verfahren "Neue Berliner Ordnung" abgespielt.

 

Die zweite Spur, bestehend aus Body- Percussion, wurde durch den Künstler "Jan Schöwer" selbst eingespielt. Für die Aufnahmen hat sich der Künstler vor einem Kondensator- Mikrofon positioniert und zu einem festen Metrum von 80 bpm rythmisch präzise Figuren eingespielt. Die Klangerzeugung geschieht durch Schläge mit der flachen oder hohlen Hand auf Oberschenkel und Brust, durch Tritt auf Parkett und über die Stimme. Die Figuren werden beim Abspielverfahren in aleatorischer Anordnung wiedergegeben. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 


"Woyzeck. Rebellen sind Idioten" - Eine Installation nach Georg Büchner  (Maxim Gorki Theater / Brinkmannzimmer)

"Woyzeck ist ein in den Abgrund lebenszerstörender Aggressivität stürzender Mensch, der seine Frau umbringt, um die Sünde aus der Welt zu schaffen. Er erscheint als ein Mensch, der besondere Erfahrungen macht, sinnliche Erfahrungen, vor allem optische und akustische. Sie verdichten sich zu Vorstellungen, die aberwitzig wirken und von anderen nicht verifiziert werden können. Diese Vorstellungen setzen sich als fixe Ideen fest, Woyzeck lebt in einer ihn immer wieder überwältigenden Erregungssituation. Er ist Gefangener dieser Vorstellungen, die sich in ihm verfestigt haben und ihn treiben.

Die Installation nähert die Form dem Inhalt an: Die Innenschau in die Welt des körperlich ruinierten und seelisch kranken Menschen erfolgt mittels eines bewusst chaotischen Aufbaus, der keinem psychologischen Prozess folgt. Jeder der Räume der Installation generiert eine eigene, unmittelbare Rezeptionssituation und arbeitet an der Schnittstelle von Video, Licht, Tonaufnahmen sowie von dem aleatorischen Musik- und Kompositionskonzept „Neue Berliner Ordnung"."

- Leo Skverer

 

Aufnahmen Maxim Gorki Theater (Smartphone)

 
Die Klang - Komposition "Woyzeck" von Jan Schöwer und Christof Schnelle ist ursprünglich komponiert für 7 verteilte Lautsprecher in einem Raum. Die Handlung bzw, der Inhalt wird über eingesprochene Original - Textstellen, aus Büchners "Woyzeck" vermittelt, die fragmentarisch vom Regisseur ausgesucht wurden. Die Textauszüge sind über Kopfhörer an jeweils 3 Videostationen abzurufen und komplettieren klanglich die Komposition.

 

Dies ist ein Stereo Mix (von 7 auf 2 Kanäle) eines
aleatorischen Durchlaufs zur Dokumentation der Arbeit

 

Woyzecks unruhiger Puls, ein tiefer, modulierender Ton und das Geräusch eines Messers am Schleifstein bilden ein sich haltendes Ostinato.
Realisiert wird es über einen Subwoofer im Zentrum, während sich alle anderen Klänge über 6 Kanäle, in Gruppen von 2 diametral verteilen Satelliten, scheinbar frei durch den Raum bewegen.

 

Probe "Boris Device"

Pat.Nr.: PCT/EP2008/009302

 

 

 

 

 

IMPRESSUM / Kontakt: janschoewer@AOL.com